Mit dem Buntstift Leben einhauchen!

 

Im Folgenden möchte ich Ihnen einen Einblick in die Entstehung meiner Portraits gewähren. Anhand meiner Zeichnung "The Farmer's Daughter" möchte ich Ihnen die einzelnen Arbeitsschritte erläutern.

 

Informationen zu den verwendeten Werkzeugen und Materialien finden Sie hier.

 

The Farmer´s Daughter (November 2015)

1. Motivsuche

 

Schon als Kind habe ich viel Zeit für die Motivwahl aufgewendet. Der Drang zu zeichnen war stets da, nur was gezeichnet werden sollte, war manchmal nicht so ganz klar. So saß ich oft stundenlang vor einem leeren Blatt Papier oder habe Eltern und Geschwister genervt mir doch bitte zu sagen, was ich zeichnen soll.

 

Dank der heutigen Medienvielfalt stehen mir zahlreiche Motive als Inspiration zur Verfügung, was es einfacher macht, gleichzeitig aber auch viel schwerer mich letztlich für ein Motiv zu entscheiden.

Erst wenn ich mich mit der dargestellten Person zu einhundert Prozent identifizieren kann, kommt sie unter meinen Buntstift. Hierbei bevorzuge ich Menschen mit besonderer Ausstrahlung, die sie einzigartig macht. Ich versuche die Seele und Schönheit einer jeden Person einzufangen. Dabei bevorzuge ich Charakterköpfe und nicht nur Personen, die gesellschaftlich als schön angesehen werden. Besondere Beachtung findet die Augenpartie der Person, denn man sagt nicht umsonst, die Augen seien das Fenster zur Seele eines Menschen.

2. Vorbereitungen

 

Ist ein Motiv gefunden, geht es an die Vorbereitungen für das Projekt. Hierbei überlege ich mir zunächst, welchen Bildausschnitt ich zeichnen möchte und welches Format für die Darstellung am geeignetsten ist.

 

Als nächstes mache ich mir Gedanken über das Medium (Bunt- oder Bleistift), was aber oft schon über das Motiv gegeben ist.

 

Habe ich mich für ein Medium entschieden, bereite ich die für die Zeichnung nötige Farbpallette, oder im Falle einer Bleistiftzeichnung die unterschiedlichen Härtegrade, vor. Des Weiteren lege ich mir die restlichen Arbeitsuntensilien wie Radierstift, Spitzer usw. zurecht.

 

Informationen zu den verwendeten Werkzeugen und Materialien finden Sie hier.

 

3. Vorzeichnung

 

Bei der Vorzeichnung setze ich zunächst Orientierungspunkte für Augen, Nase und Mund sowie Konturen der Person. Damit stelle ich sicher, dass das Motiv genauso platziert ist, wie es bei der Wahl des Bildausschnitts vorgesehen war. Hierbei gehe ich meist noch nicht zu sehr ins Detail. Erst im zweiten Schritt ergänze ich Feinheiten, um mir das spätere Arbeiten zu erleichtern. Dies bezieht sich vor allem auf Haare, Muster, Accessoires oder wie in diesem Fall auch auf den Hintergrund der Zeichnung.

4. Bild- und Farbanalyse

 

Ich teile das Bild gedanklich in Arbeitsabschnitte ein und beginne dann immer im linken oberen Feld. Ich analysiere den ersten Bereich der Vorlage auf die enthaltenen Farbtöne, wobei ich zum Teil Farbproben anfertige, um die besten Kombinationen zu erörtern und somit das ideale Endergebnis zu erzielen. Zudem erleichtert die Farbanalyse den weiteren Arbeitsprozess, da sich gerade im Hintergrund aber auch bei der porträtierten Person Bereiche wiederholen. Eine erneute Farbanalyse ist für diese Bereiche einfacher oder gar nicht mehr nötig.

5. Vorgehensweise beim Kolorieren

 

Ich habe mir angewöhnt, das Bild von links oben nach rechts unten zu zeichnen. Auf diese Weise können bereits kolorierte Flächen beim weiteren Arbeiten nicht mit der Hand verwischt werden. Damit ist nicht gemeint, dass ich wie ein Drucker chronologisch von links nach rechts zeichne. Abweichungen lassen sich oft nicht vermeiden oder bieten sich eher an als ein stures von links nach rechts Arbeiten. Wichtig ist lediglich, nicht zu häufig mit kolorierten Flächen in Berührung zu kommen, um die maximale Farbintensität beizubehalten. Spätestens wenn man Zeichnungen zweimal kolorieren musste, erscheint diese Herangehensweise vernünftig.

6. Hintergrund und Hut

 

Bei der Zeichnung "The Farmer's Daughter" hat es sich angeboten mit dem Getreidefeld am linken oberen Rand zu beginnen und am Strohhut des Mädchens anzuknüpfen. Vorherige Zeichnungen waren, was den Detailgrad angeht, bereits anspruchsvoll, aber mit diesem Bild habe ich definitiv neue Gefilde erreicht. Gerade Hintergrund und Hut haben dazu beigetragen, dass die Arbeitszeit auf insgesamt 705 Stunden angestiegen ist.

7. Haare

 

Die Haare des Mädchens waren im Vergleich zum Flechtmuster des Strohhuts eine richtige Erholung. Haare zeichne ich für gewöhnlich in Strähnen, wobei die unbeleuchteten bzw. dunklen Stellen vorrangig behandelt werden. Bei dem Mädchen konnte ich meine übliche Herangehensweise nicht gänzlich anwenden, da die Haare zum einen fransig und zum anderen verschwommen waren. In solchen Fällen handle ich intuitiv und zeichne, was ich sehe. Diese Regel wende ich grundsätzlich auf foto- bzw. hyperrealistische Zeichnungen an.

8. Stirn

 

Mit der Stirn habe ich mich früher sehr schwer getan. Für mich war es nicht eindeutig, an welcher Stelle ich ansetzen sollte. Grundsätzlich besteht die Stirn aus horizontalen Linien, die aber wie in diesem Fall bei einer jungen Person nicht klar oder gar nicht zu erkennen sind. Orientierungspunkte sind meist nur Lichtreflexe und Falten. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, dass es für mich hierbei keine Einheitslösung gibt, sondern ich individuell verfahre. So lege ich meine Layer mal waagerecht und mal senkrecht an, arbeite mich von Dunkel nach Hell oder umgekehrt. Beim Mädchen habe ich zuerst den dunkleren, linken Bereich in senkrechten Linien gezeichnet. Danach folgten die rechte obere Stirnhälfte und der Lichtreflex oberhalb der Augenbrauen, der gleichzeitig eine Verbindung zur Nase herstellt.

9. Augen

 

Bei den Augen habe ich an der Pupille angesetzt und dabei die Lichtreflexion ausgespart. Diesen zeichne ich meist ebenfalls mit Buntstiften. In seltenen Fällen kommt auch ein Gelstift zum Einsatz. Dies trifft z.B. dann zu, wenn die Fläche nur sehr klein ist und ich vermeiden möchte, dass sich andere Farben unter das Weiß mischen. Ein Gelstift ist deckender und kann anders als der Buntstift auf bereits kolorierte Flächen aufgetragen werden. Auf die Augen lege ich immer besonderen Wert, da sie einen großen Teil zur Ausstrahlung und zum Gesamtbild einer Person beitragen. Bei der "Farmer's Daughter" habe ich deshalb einige Stunden in die Farbgebung der Iris und die Darstellung des Augapfels investiert. Des Weiteren waren zwei Arbeitsschritte nötig, um Lider, Wimpern und Augenbrauen des Mädchens zu zeichnen. Ich wollte, dass man zum Schluss das Gefühl hat, sie würde einen mit ihren schönen blauen Augen anstrahlen.

10. Wangen, Nase und Mund

 

Wangen zeichnet man in fließenden Linien, die sich von der Nase in Richtung Mund bewegen. Hier sollte man das Augenmerk auf die Lichtreflexionen richten, da sie  Dreidimensionalität erzeugen und die Person plastisch wirken lassen. Auch an dieser Stelle ist es empfehlenswert, zunächst die dunklen Bereiche zu zeichnen und zuletzt die Lichtreflexionen zu setzen.

 

Die Nase zeichne ich meistens, nachdem ich die linke Wange fertig gestellt habe. Erst danach folgt die rechte Wange. Diese Reihenfolge hat für mich immer gut funktioniert und das beste Ergebnis gebracht, vor allem was die Übergänge zwischen den Passagen angeht. Ähnlich wie die Stirn ist auch die Nase eine Herausforderung, weil sie anders als z.B. die Wangen keine glatten, fließenden Flächen hat. Deshalb setze ich oft bei den Nasenflügeln und der Nasenspitze an, um den Bereich abzugrenzen. Erst danach folgen Nasenlöcher und -rücken, auf dem sich die Lichtreflexion befindet.

 

Nach den Wangen und der Nase folgen Mund und Kinn. Im Beispiel der Farmer's Daughter ist beides nur bedingt zu sehen. Auch hier habe ich zunächst den dunklen Bereich in mehreren Schichten gezeichnet und mich in den helleren Bereich voran getastet.

11. Apfel

 

Für dieses Bild habe ich zum allerersten Mal einen fotorealistischen Apfel gezeichnet. An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich bei neuen Herausforderungen immer etwas Lampenfieber habe. Wie bereits weiter oben beschrieben, arbeite ich intuitiv und zeichne, was ich sehe. Das hat mir auch an dieser Stelle geholfen, um die angebissenen und oxidierten Flächen darzustellen. Für die Highlights habe ich einen weißen Gelstift verwendet, um den Apfel saftig wirken zu lassen.

12. Hand

 

Um den Schwierigkeitsgrad dieser Zeichnung noch etwas zu erhöhen, ist bei dem Mädchen die rechte Hand zu sehen, dessen Fingernägel ein bunter Glitzerlack ziert. Ich habe zunächst den Daumen gezeichnet und dann rechts weitergearbeitet. Hilfreich waren hierbei der Schattenwurf durch den Apfel, die Hautfalten der Fingergelenke und die bunten Fingernägel. Für mich stellen diese Art von Details Hilfspunkte dar, um z.B. Abstände und Proportionen besser einschätzen zu können.

13. Oberkörper, Kleid und Kornfeld

 

Der Halsbereich und die Arme des Mädchens waren verhältnismäßig einfach  darzustellen, da es sich um größere und einheitliche Flächen handelt. Auch hier habe ich von Dunkel nach Hell gezeichnet und zuletzt die einzelnen Härchen mit einem Radierstift herausgearbeitet.

 

Für das Kleid habe ich wie weiter oben beschrieben Farbkombinationen getestet, um einen angenehmen Blauton zu erhalten. Hierbei besteht der erste Layer aus einem einheitlichen Ton und wird durch weitere Schichten bzw. Töne ergänzt. Das Muster habe ich zunächst ausgespart und den Blauton erst später hinzugefügt, so dass darunterliegende, hellere Schichten das Farbergebnis nicht beeinflussen.

 

Die Kolorierung der rechten Bildseite verlief recht schnell, da bereits alle Farben und Farbkombinationen für die Darstellung des Huts und Kornfelds bekannt waren. Genau wie bei allen anderen Arbeiten füge ich zum Schluss meine Signatur digital hinzu.

Silvia Schmitt
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